Brot

Der perfekte Hausmann ist nicht einfach nur ordentlich, strukturiert und pedantisch bei der Planung seiner Aktivitäten. Nein, der perfekte Hausmann ist viel mehr: Er ist dynamischer Macher und Profi der Improvisation. Aber vor allem ist er Künstler.

Wenn Besen und Hausmann sich zu einer Einheit vereinen, tanzen sie an gegen den Schmutz der Welt, ein ewiges Ballett im Kampf gegen den Verfall, getüncht im Rythmus harter Beats. Es ist der Moment, in dem unsere Machtlosigkeit ein Ende findet und unser Aktivismus ein Resultat hat. Es ist der Moment, in dem wir Wiedergutmachung leisten für unsere tägliche Gleichgültigkeit am Zustand der Welt. Und es ist der Moment, in dem konventionelle Waffen durch moderne Technologie ersetzt wird, denn nie würde der Autokrat des Hauses davor zurückschrecken, Bohrmaschinen mit Bürstenaufsatz zur Backofenreinigung zu benutzen, ein gutes Schleifpapier als mechanischen Entkalker einzusetzen, oder mit Sprit gegen Unkraut vorzugehen… Lasst es brennen!

Wie seit meiner Vorsehung hinlänglich bekannt, stellt auch Einkaufen eine Kunst dar. Den Geschmack aller Haushaltsmitglieder zu treffen ist an sich schon beinahe unmöglich, sogar wenn man alleine wohnt. Noch schwieriger ist es, die richtige Quantität zu beschaffen. Gerade beim Brotkauf weiss der erfahrene Ein-Personen-Haushalts-Bewirtschafter, dass er durchschnittlich die Hälfte des Gebäcks später als Entenfutter oder Mauersteine verwenden kann. Die Kunst liegt nun weder darin, einen Baustoffhandel aufzumachen, noch kleine Brotstücke einzeln einzukaufen. Stattdessen grenzt es an Poesie, sein Vollkorn-Dinkel-Kürbiskern-Pfünderli zu Hause in Scheiben zu schneiden, abzupacken und… einzufrieren. Später kann der Hausmann seine Brotstücke einzeln wieder auftauen und hat als Resultat: Brot, immer frisch, ganz ohne Abfälle! Welch’ Steigerung der Lebensqualität! Welch’ Gewinn im Kampf gegen den Hunger!

Der Schweizer in mir möchte umgehend ein Gesetz erlassen, das den Brotverkauf nur noch in Scheiben genehmigt. Aber wann grenzt Leidenschaft eigentlich an Obsession? Wo liegt die Grenze zwischen guter Intention und Schildbürgertum? Und was fressen dann die Enten?

 

 

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Der Apfel – Teil 2

Ich hatte also eine volle Schale frischer Früchte zuhause, unangetastet aber höchst dekorativ (siehe Der Apfel – Teil 1). Drei Tage später passierte es: Ich machte mich gerade auf den Weg zur Arbeit, als mich die heisse Lust auf Äpfel packte. Ich vermute, sie kam daher, dass da ein Apfel aus der Schale leuchtete und mich an den süssen Geschmack von Äpfeln erinnerte. Und obwohl ich überhaupt nur wegen dem Apfel, der da lag, Lust bekommen hatte, war ich doch überrascht zu realisieren, dass sie durch eben jenen Apfel auch gestillt werden konnte, der die Lust verursacht hatte! Das war gewisserweise Apfelception und ich war total aus dem Häuschen, da bei mir für gewöhnlich keine Äpfel rumliegen, und wenn doch, dann gebrannt und abgeflascht.

Der Apfel fügte sich perfekt in meine Hand, als ich ihn nahm, wusch und der Effizienz gebietend zu essen begann, noch während ich meine Jacke anzog und die Haustür zum Gehen öffnete. Nach meinem allmorgendlichen Spurt, der Uhr hinterher und dem Fahrplan knapp voraus, erreichte ich meinen Zug. Ich schnappte mir eine entjungferte und achtlos liegen gelassene Gratiszeitung und setzte mich gegenüber eines dynamischen Geschäftsmannes, der karriereorientiert bereits zu dieser frühen Stunde an seinem Laptop rumhantierte. Es war still in dem Wagen.

Die nun folgenden Schmatzgeräusche waren unüberhörbar laut, als ich fortan versuchte, meinen Apfel seinem bestimmungsgemässen Zweck zuzuführen. Fast tat mir der geschäftige Mann leid, wirkte er doch mit einem Mal sichtlich abgelenkt. Mit Rücksicht auf seinen Bonus versuchte ich die Störung zu minimieren und beschränkte die Interaktion mit meinem Äpfelchen auf ein leises knabbern. Die temporär vor der Vernichtung gerettete Gratiszeitung gab mir dazu die notwendige Ablenkung.

So knabberte und blätterte ich, bis eine Schlagzeile in der Zeitung mich so erschrak, dass ein Apfelstückchen prompt in meiner Luftröhre landete und mir einen Hustenanfall der besonderen Art bescherte. Schneewittchen hätte laut gelacht, hätte sie mich gesehen wie ich nach Luft rang und meine Augen tränten. Nach einer Weile fiel ich allerdings nicht ins Koma, sondern beruhigte mich, und konnte endlich den Artikel fertig lesen, in dem es um die Schädlichkeit einer zu hohen Vitaminzufuhr ging…

„Mein Gott“, dachte ich, und betrachtete meinen Apfel plötzlich mit ganz anderen Augen. „Weg mit Dir, Du Frucht des Teufels“ schalt ich und entsorgte den Rest, begleitet von dankbaren Blicken meines beschäftigten Gegenübers.

Seither habe ich keinen Apfel mehr angerührt. Die Sache war mir eine zünftige Lehre, denn wer Gesund leben will, muss auch bereit sein, dies bis zur letzten Konsequenz durchzuziehen. Und da mir meine Gesundheit letztlich doch zu wichtig ist, habe ich meine Ernährung komplett auf vitaminlose Kohlenhydrate umgestellt, begleitet von der exakten Tagesdosis an notwendigen Substanzen mittels Ergänzungspräparat. Seither merke ich täglich, wie die schlechten Auswirkungen der Vitaminüberdosis zurückgegangen sind. Und auch die Burger mit Pommes schmecken wieder besser….

 

 

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Der Apfel – Teil 1

Der Apfel – Teil 1

Mein schlechtes Gewissen hatte zugeschlagen, voll… Entgegen aller meiner sonstigen Gewohnheiten beschränkte ich meinen letzten Einkauf für einmal nicht auf Brot-Milch-Wein-Bier-Joghurt-Käse-Pizza-Bier-Chips-Tiefkühlprodukte, sondern lenkte stattdessen meine Schritte in Richtung der Abteilung mit den Waren, denen das Beste (und nebenbei eine der grössten Errungenschaften der Lebensmittelindustrie) fehlt. Die Verpackung.

Früchte, heissen die. Und Gemüse. Salat, Tomaten, Lauch, und Mara…was? Mara-Kuscha? Zuscha? Cuja? Wahnsinn! So frisch lagen die Naturprodukte gewachst und poliert in Reih und Glied und glänzten mich in den unterschiedlichsten Farben und Formen an. Mal abgesehen von den Erdbeeren, aber wer sieht nach fast dreitausend Kilometern noch frisch aus? Egal. Wenn’s in Israel keine Abnehmer für Erdbeeren gibt (die sind ja auch alle viel zu beschäftigt da unten, mit töten und überleben und Mauern bauen und so): Wir nehmen sie gerne. Auch matschig, und sei es nur für den Nährstoffgehalt des Komposts…

Wieso denn eigentlich Früchte?

Jeder Mechaniker weiss, kein Motor läuft unbeschadet Vollgas über längere Zeit. Irgendwann läuft er heiss, ein Ventil platzt, bumm, Öl spritzt, Wasser kocht, das Auto steht, der Fahrer tobt… Nun bin ich aber kein Mechaniker, sondern Junggeselle. Ich lebe allein, und fahre eigentlich immer Vollgas (rein metaphorisch, keine Angst, Roadcross) aber ich lasse wenig Gelegenheiten aus, mir selbst zu schaden, (nicht mutwillig, keine Angst, meine liebe Dargebotene Hand, und zu früh gefreut, Dignitas) aber viel mehr als Teil dessen, von dem die Alten jeweils sagen, sie würden es vermissen, und sich beklagen, ach, wenn sie doch nur mehr Zeit dafür gehabt hätten…

Ich bin also auf diesem Trip, um später nie sagen zu müssen, ich hätte noch blöder getan, wenn ich gewusst hätte, dass ich diese Zeit nicht für immer habe, denn DAS weiss ich, und ironischerweise wird die Zeitspanne, die mir bleibt, gerade dadurch gekürzt, dass ich diese so intensiv nutze… Wie ein weicher Käse, den man zu hart über die Raffel drückt. Die reaktiven Signale meines Körpers sind eindeutig, insbesondere die Kopfschmerzen und der Raucherhusten, welche beide regelmässige Gäste an meinem Sonntag-Morgen-Frühstückstisch sind.

Mein schlechtes Gewissen meiner vernachlässigten Gesundheit gegenüber liess mich also in meinem angestammten Einkaufsladen vor den Regalen umherwandern und mehr oder weniger wahllos glustige Früchte und junges Gemüsse aus aller Welt einpacken.

Stolz ging ich nach Hause und backte mir zur Belohnung eine frische Fertiglasagne, nach Grossmutters Rezept. Fragt sich nur, wessen Grossmutter das war, die so schlecht kochen kann…

Das Idol

Meine Mutter sagte immer, jeder Mensch brauche ein Idol. Ein Vorbild, zu dem man aufblicken könne. Sie sagte, ein Idol inspiriere und helfe manchmal sogar, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Dass mein eigenes Idol nie wirklich nützlich gewesen war, fiel mir erst vor kurzem auf, als mir die Antwort auf eine dieser grossen Fragen des Lebens verwehrt blieb. Ich stand in einem Geschäft; war ratlos und verunsichert und suchte nach Unterstützung. In meiner Verzweiflung und in Abwesenheit menschlicher Hilfe wandte ich meine Gedanken in Richtung meines Idols, meines Helden und fragte mich: “Womit würde Spiderman wohl seine Unterhosen waschen?”

Ich entschied mich letztlich für das Waschmittel mit dem besten Verhältnis aus Preis und Anzahl der Versprechungen auf der Verpackung und beschloss gleichzeitig, mir ein neues Idol zu suchen. Nutzloser Spiderman, der du warst.

Als ich zu Hause war stellte ich mich gleich vor den Spiegel und überlegte mir, welche Werte die Person, die ich sah, vertrat und in welche Richtung ihr weiteres Streben noch führen sollte. Ich war zugegeben ein wenig überrascht, als mir klar wurde, dass ich nichts lieber wollte, als über dem Gesetz zu stehen, Macht und Geld ohne Ende zu besitzen und von den Frauen der Welt umschwärmt zu werden. Ich fragte mich entsetzt, woher das wohl komme und wandte mich von meinem Spiegelbild ab; zurück vor den Fernseher.

Wer mein Idol sein sollte wurde mir später am Abend klar, denn wer verfügt bedingungslos über oben genannte Eigenschaften? Mir fiel nur eine einzige Person ein, die all jenes besass, von dem ich weit, weit entfernt bin. Und mit der Neuwahl meines Idols hatte sich auch die Frage nach dem Waschmittel erledigt, denn mein neues Idol, Silvio Berlusconi, mag einiges waschen; wie zum Beispiel Geld, oder seine Hände in Unschuld; aber ganz sicher keine Unterhosen. Die braucht er gar nicht.

Der Kompost

Als ich nach dem Einkauf nach Hause kam, ereilte mich die Erkenntnis: Soeben hatte ich eine neue Stufe der hausmännischen Professionalität erklommen und einen weiteren Meilenstein auf dem staubigen Weg zum perfekten Hausmann erreicht: Nie wieder sollte mir nach dem Öffnen der Haustüre dieser charakteristische Gestank entgegenschlagen; nie wieder würde ich Stunden damit verbringen, Schwärmen von Kleinstlebewesen nachzujagen; und nie wieder würde ich meinem zweifelnden Besuch erklären müssen, dass ich sehr wohl über einen Abfallsack verfügte; der sich Zwecks Immissionsschutz jedoch auf dem Balkon befände…

Nein, von nun an würde ich meine Rüstabfälle nicht mehr in den Abfall werfen müssen. Ich hatte mir einen Kompostkübel gekauft. Aber nicht nur das: Ich hatte mir nicht nur eines dieser kleinen, grünen Kübelchen mit Aktivkohle-Geruchsfilter beschafft, sondern auch gleich eine Rolle der dazu passenden, biologisch abbaubaren Einlege-Säckchen. Welch’ eine Errungenschaft; insbesondere für den Hersteller, denn die zehn Säcke werden ganz sicher bereits verrottet sein, lange bevor ich diese mit meinen höchst gelegentlichen Gemüseabfällen zu füllen vermag.

Dennoch brauchte ich diesen Plastikkübel ganz unbedingt. Ich verzehre zwar so gut wie nie Gemüse, aber meine Güte, die Bedrohungslage durch potentielle Gemüseabfälle ist so schwerwiegend, dass das Fehlen eines Kompostbehälters im Extremfall meinen ganzen Haushalt gefährden könnte.

Ich hinke dem Zeitgeist wohl etwas nach, denn während ich mich ziere, ein paar Franken in meine Sicherheit zu investieren, werden andernorts mit der gleichen Argumentation Milliarden investiert. Zum Beispiel in der Schweizer Armee. Wobei man hier anmerken muss, dass deren Existenzberechtigung nicht ausschliesslich nur auf paranoiden Ängsten beruht, sondern auch auf einem guten Teil Zweckentfremdung.

Aber wer sagt denn, dass nicht auch mein Kompostkübelchen wunderbar zweckentfremdet werden kann? Zum Beispiel als Tarn-Helm. Oder alternativ als Kotzkübel.

Begnügsamkeit

“Mann! Die Frau hat alles, was ich will.” Der Gedanke kam nach und nach auf, während ich an der Bushaltestelle die junge Blondine beobachtete, die neben mir Platz genommen hatte. Mir schauderte. Aber von vorn: Es war Freitagabend, die Woche und ein weiterer Arbeitstag waren vorüber und ich war auf dem Heimweg. Als ich hungrig und müde auf meinen Bus wartete, kam sie: Gross, schlank und blond. Sie setzte sich direkt neben mich und beachtete mich nicht. Und doch: Schon nach kurzer Zeit war mir vollkommen klar, dass diese Frau alles hatte, wonach ich suchte. Die Erkenntnis stürzte mich in ein tiefes Loch, das Verlangen wurde unermesslich. Wie sie so da sass, Zeitung las, ab und zu an einer gekühlten Coke nippte und dazu irgendeinen Snack kaute… Sie hatte wirklich alles, wonach es mich an diesem Freitagabend auf dem Heimweg nach einer anstrengenden Woche gelüstete: Etwas zu essen, etwas kühles zu trinken und eine frisch gepresste Zeitung…

Diese Leute

Oh, diese Leute! Wie ich sie hasse! Wie sie quatschen und telefonieren! Wie sie Musik hören, so dass es jedermann hört! Am schlimmsten ist es, wenn jemand isst. Dann könnte ich schreien.

Mit allen möglichen Befürchtungen im Kopf setzte ich mich heute Morgen grummlig und müde in meinen Zug, darauf hoffend, dass nichts des oben Genannten meine Fahrt trüben könnte. Als geübter Pendler war ich natürlich vorbereitet: Laptop raus, Kopfhörer in die Ohren, Musik an. „Uh, ist das laut!“ denke ich und schiebe den Regler nach fast ganz links, bis die Musik nur noch schwach zu hören ist. Irgendwie klingt das Ganze hohl und metallisch. „Egal, Hauptsache meine Ruhe.”

Der Zug ist gut geheizt und während ich “Clair de Lune” geniesse, werde ich schläfrig. Meine Hand spielt mechanisch mit dem Kopfhörerkabel, fährt dran runter, nimmt das Metallteil am unteren Ende und lässt es zwischen den Fingern kreisen. Es fühlt sich kalt an, dieses Metallteil, spitz zulaufend am Ende, mit Einkerbungen an der Seite. Hm. Ein Metallteil am Ende des Kabels? Ist das der Stecker? Ist der nicht eingesteckt?

Meine Hand erstarrt, die Augen schlagen auf, und ich merke, hoppla, seit gut zehn Minuten spielt von meinem Laptop laut Musik! Frühmorgens um halb sieben; zu jener Zeit, in der man sich mit lauten Geräuschen im Zug unheimlich beliebt macht… Hastig stecke ich den Kopfhöreranschluss in die dafür vorgesehene Buchse. Die Musik dröhnt augenblicklich laut und klar in meinen Ohren, da sie nun über die Kopfhörer ausgegeben wird, während der Rest des Zugs endlich die ersehnte Stille erfährt. Vorsichtig lasse ich den Blick schweifen und eine Welle der Ablehnung schlägt mir entgegen. Locker drei oder vier hasserfüllte Blicke treffen mich, deren Absender offenbar schon lange darauf warteten, dass ich aufblicke, um endlich ihre Empörung empfangen zu können. Es ist offensichtlich, was mir mitgeteilt werden soll…

Schuldbewusst senke ich meinen Kopf, vermeide jeden weiteren Blickkontakt und denke für mich „Bleibt mal Locker! War ein Versehen! Oh, diese Leute! Wie ich sie hasse…”

Vorsehung

Der perfekte Hausmann, strahlender Ritter, vielfaches Objekt weiblicher Begierde. Er hat Fähigkeiten, die den durchschnittlichen Mann nur in gebanntes Staunen versetzen, wenn sie davon hören. Als Beispiel dient die Fähigkeit, eine perfekte Einkaufsliste zu schreiben. Die Tatsache an sich, eine Einkaufsliste zu verfassen ist unter Männern schon ein deutliches Anzeichen von Selbstständigkeit und einem hohen Grad hausmännischer Professionalität; ja man könnte fast sagen, „Erwachsenheit“. Aber der wahre Hausmann hat diese Liste perfektioniert. Er, unser aller Vorbild, listet nicht einfach auf, was er braucht. Nein, er weiss sogar, wo das Zeug steht! Er kennt seinen Laden besser als seine Bar und ist in der Lage mit an Präkognition grenzender Sicherheit vorauszusagen, wo er welche Waren im Laden antreffen wird. Mit solchen Superkräften ausgestattet ist der Hausmann fähig, seine Bedürfnisse zu ordnen, und zwar exakt in derselben Reihenfolge, in der er später durch den Laden schreiten wird. Das ist verrückt! Man stelle sich das vor: In jenem Moment, in dem man zum ersten Mal bei der Kasse vorbeikommt, hat man bereits alles, was man braucht. Die Zeitersparnis ist enorm, wenn man nicht wie ein Betrunkener mehrmals quer durch den Laden torkeln muss. Aber uns Normalsterblichen ist oft einfach nicht bewusst, dass wenn man nicht weiss, was man sucht, man auch nicht finden wird, was man braucht. Wussten Sie, dass Einkaufslisten eine philosophische Dimension haben? Und gibt es eigentlich Nobelpreise für’s Einkaufen?

Das Tattoo

Neulich wurde ich gefragt, was ich beruflich mache. Ich antwortete, ich studiere, und wischte das anerkennende Lächeln wieder vom Tisch mit dem Nachsatz „…was ich mal werden möchte.“ In der Tat analysierte ich erst kürzlich meine Stärken und Schwächen methodengetreu und berufsberaterkonform. Das Ergebnis: Ich kann nicht singen, ich kann nicht tanzen, und beherrsche kein Instrument.

…und erfülle damit alle Anforderungen eines Dieter-Bohlen-Retorten-Popstars. Hurra.

Also werd ich wohl ein Star, wenn’s denn sein muss und für alles Vernünftige mir die Vernunft fehlt. Nur wie beginnt man eine Karriere als Star? Die Frage ist rasch beantwortet, denn was haben alle Musiker gemeinsam? Richtig. Die Tattoos! Alle haben sie eines: Robbie Williams. Amy Winehouse. Gölä. Ja sogar meine Schwester. Die ist zwar keine Musikerin, aber das ist Gölä auch nicht und immerhin ist sie eins meiner Vorbilder.

Doch was soll ich mir denn stechen lassen? Chinesische Schriftzeichen? Um anstelle von “Glück” nachher mit “Schlampe” durchs Leben zu gehen? Oder den Namen meiner (nicht existenten) Freundin? Um in ein paar Jahren über eine komplette Liste aller meiner gescheiterten Beziehungen zu verfügen? Oder etwa ein Arschgeweih? Als Kerl? Naja. Wird ja vielleicht mal Mode. Die Wahrscheinlichkeit ist in etwa so gross, wie Claude Longchamp’s Trefferquote. Die zwar etwas höher ist, als die von Mike Shiva’s Voraussagen, aber bei weitem nicht deren Einfluss hat…

Nein, meine Tätowierung sollte eine Aussage haben, eine tiefere Bedeutung. Und tatsächlich hatte ich heute Morgen DIE Idee; wie ich so im Zug zur Arbeit einnickte und völlig unerwartet wachgerüttelt wurde, nur um mein GA zu zeigen und weiter dösen zu dürfen. “Verflucht seist Du, Du freundlicher Zugbegleiter, der Du nur Deinen Job tust. Verflucht seist Du! Siehst Du nicht, dass ich pendle?”

Offenbar sah er’s nicht, aber die Lösung liegt auf der Hand: Ich lass mir mein General-Abonnement tätowieren. Auf die Stirn. Welch’ brillante Idee, und wie viele Zeitungen darüber wohl berichten würden. Ich wäre auf einen Schlag weltbekannt und würde damit eine weitere Anforderung an ein werdendes Sternchen erfüllen: Auffallen, um jeden Preis. Ganz im Stile Piero Esteriore’s, dem Meister der billigen PR.

Nur… wenn ich es wirklich vermögen würde, mit total bescheuerten Aktionen mediale Aufmerksamkeit auf mich lenken zu können…wieso sollte ich dann Popstar werden? Dann könnte ich auch zur Juso.

Oder wahlweise zur SVP, je nach Alter.